Reiner Winkendick 16.02.98

Botanik und Tiergehege

Reiner Winkendick

Bei der Gestaltung von Tiergehegen treten Fragen auf , die für eine normale Gartengestaltung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dazu gehören zum Beispiel Fragen nach der Giftigkeit der Pflanzen für die Tiere oder auch für die Besucher .

Soll mit der Bepflanzung ein Sicherheitsabstand zwischen Besucher und Tiergehege gewährleistet werden ?

Will man Gehegeumrisse durch entsprechende Bepflanzung optisch auflösen und so die Anlage in die übrige Parkgestaltung mit einbeziehen ?

Soll die Bepflanzung als eine Ruhezone für die Besucher oder für die gehaltenen Tiere genutzt werden können?

Hat sie eine Bedeutung als Futterpflanze Stichwort : Citrus – Raupenfutterpflanze) ?

Denken Sie an große , trichterförmige Bromelien als Laichplatz für Dendrobaten und an

Helikonia als Nektarpflanze für Kolibris?

Wollen Sie einen bestimmten Lebensraum nachbilden und welche Besuchererwartungen sind zu berücksichtigen?

Eine Möglichkeit den angesprochenen Anforderungen gerecht zu werden und dabei publikumswirksam und zugleich möglichst artgerecht zu sein , bieten speziell aufeinander abgestimmte Lebensraum – Sortimente .

Was ist darunter zu verstehen ?

Die angesprochenen Lebensraum – Sortimente sind Pflanzenzusammenstellungen die einen bestimmten Lebensraum repräsentieren ohne auf eine spezielle Tierart bezug zu nehmen .

Denken Sie beispielsweise an die Haltung asiatischer Tiere (Tiger oder einiger Vögel) .Warum nicht mal ein Tigergehege ganz bewußt asiatisch gestalten . Profitieren Sie von der Möglichkeit ein Tigergehege und auch das Umfeld mit winterhartem Bambus und anderen winterharten asiatischen Pflanzen so zu gestalten das der Lebensraum dieser Tiere optimal darstellt wird .

Selbstverständlich muß die Bepflanzung auf die zu haltende Tierart abgestimmt werden .

Kompromisse müssen also auch hier eingegangen werden , die die Auswahl geeigneter Pflanzen wiederum erheblich einschränken .

Sie wissen aus Erfahrung das die Aufnahme pflanzlicher Stoffe bei den gehaltenen Tierarten völlig unterschiedliche Reaktionen auslösen kann . Ein Emu nimmt möglicherweise bei der Aufnahme verschiedener Grünpflanzen gar keinen Schaden , während Pferde sofort empfindlich reagieren würden .

In diesem Zusammenhang ist die Auflistung von Pflanzen und deren mögliche Wirkung auf Zootiere ein noch relativ wenig erschlossenes Gebiet .

Unsere Zielsetzung muß daher die Zusammenführung der vorhandenen Einzelinformationen sein .

Stichwort : Datenbank Zootierpflanzen

Aber um noch einmal auf die Lebensraum – Sortimente zu kommen …

Diese Sortimente sind eine Zusammenstellung geeigneter und bewährter Pflanzen die den Ansprüchen an die heutige Tierhaltung in besonderem Maße gerecht werden .

Der Besucher wird so in die Lage versetzt die Tiere als Teil eines Biotops zu erleben und wird somit selbst zum Natur – Beobachter .

Sicherlich ist bei konsequenter Umsetzung dafür auch ein höherer Eintrittspreis durchsetzbar .

Mehrere Vorgehensweisen sind möglich diese Vorstellungen umzusetzen :

Dazu möchte ich Ihnen verschiedenen Beispiele aufzeigen .

Dia Nr.1

Gorilla – Anlage mit Kunstfelsen

Dia Nr.2

Ausblick auf eine Anlage . Interessant Überdachung aus Rundhölzern . Oft sind es Kleinigkeiten die eine Gestaltung interessant werden lassen . Denken Sie dabei an Höhenunterschiede im Gelände , an unterschiedlich breite Wege mit wechselndem

Bodenbelag oder an eine interessante Wegeführung . Meine Kinder waren im Tierpark Emmen begeistert von der Möglichkeit den Giraffen Auge in Auge gegenüber zu stehen .

Dia Nr.3

Künstlicher Baum . Das heißt selbstverständlich nicht , daß nur noch Kunststoff zum

Einsatz kommen darf , aber es ist schon erstaunlich welche zusätzlichen Möglichkeiten sich hier auftun .

Dia Nr.4

Anlage für Störche . Die Höhenunterschiede (Gehegeboden – Randbepflanzung in Form hoher Bäume) werde durch hohe Gräser abgefangen . Im Winterhalbjahr wird diese Anlage zwangsläufig ein völlig anderes Erscheinungsbild haben .

Dia Nr.5

Fenstertechnik , Der Besucher schaut in einen Lebensraum .

Dia Nr.6

Eingang tropischer Regenwald . Auswahl an tropisch anmutenden Pflanzen .

Stichwort :Raumbildung !

Übersichtliche Gärten wirken meist schnell langweilig . Einzelne ‘ Räume ‘ lassen einen Garten größer wirken .

Interessant da hinter jeder Wegbiegung etwas unbekanntes erwartet werden kann . Der Weg wirkt länger .

Dia Nr.7

Wie vor . Boden mit Rindenmulch bedeckt . Wald – und Trampelpfadcharakter .

Dia Nr.8

Wichtig : Besucher laufen zumindest zeitweilig unter einem Kronendach . Nur dadurch vermittelt die Anlage tropische Eindrücke . Stichwort : Preis – und damit Qualitätsunterschiede bei tropischen Pflanzen (Ficus 3m – 300 DM oder 3000 DM)

Werden ausschließlich Bäume verwendet unter deren Krone der Besucher nicht herlaufen

kann , so entsteht bestenfalls der Eindruck einer guten Gärtnerei .

Dia Nr.9

Auch hier Einblick in einen neuen Lebensraum .

Dia Nr.10

Ungewohnte aber sehr publikumswirksame Details

Dia Nr.12

Orang – Anlage mit künstlichen Bäumen . Vielleicht nicht ganz biotopgerecht . Der Baum rechts im Bild wird durch eine als Liane getarnte Stromleitung geschützt .

Dia Nr.13

Künstliche Lianen als Kletterhilfe

Dia Nr.14

Uferbereich mit Schmetterlingsflieder . Diese Pflanzen sind auch für Trockenbiotope geeignet . Billig und unempfindlich .

Dia Nr.15

Wasserstelle . Im Hintergrund Kunstfelsen . Im Vordergrund Pflanzen die sich durch große Genügsamkeit auszeichnen . Schmetterlingsflieder , Heckengehölze

Dia Nr.16

Uferböschung : Kunststoff , Alternative : gefärbter Spritzbeton , interessante Ergänzung wäre an dieser Stelle eine Bepflanzung mit Clematis montana (bildet herunterhängende Blütenvorhänge .

Dia Nr.17

Otter – Anlage

Dia Nr.18

Künstliche und natürliche Bestandteile .

Dia Nr.20

Tapire vor Böschung

Dia Nr.22

Urwaldbäume mit Brettwurzeln

Dia Nr.24

“Normale” Grasfläche mit Weidetieren . Alternative : Spezielle Grasmischung mit Steppencharakter . Stichwort : Steppenwiese , hoch belastbar durch hohen Rohrschwingelanteil . Diese Gräser – Mischungen kommen auch für Galopp – und andere Rennbahnen zum Einsatz .

Dia Nr.25

Giraffenanlage mit Steppencharakter

Dia Nr.26

Gemeinschaftshaltung von Steinböcken und Affen in großzügiger Freianlage .

Dia Nr.28

Sumatranashorn . Im Hintergrund Gräser und Korkenzieherweide(billig und schnellwüchsig)

Dia Nr.32

Giraffenanlage Stichwort : Licht und Schatten (Stichwort : Robinie)

Dia Nr.33

Anlage mit Steppencharakter

Dia Nr.35

Uferbereich aus Beton gestaltet

Dia Nr.36

Blick in einen Lebensraum .

Dia Nr.37

Für die Nachbildung dieser Bäume gibt es in unseren Breitengraden keine Alternative an winterharten Pflanzen .

Dia Nr.39

Affenanlage mit Gräsern

Dia Nr.40

siehe Nr.41

Dia Nr.41

Granitkopjes (Stichwort : Bauschutt als Unterkonstruktion , Kreislaufwirtschaftsgesetz , Natursteinfelsen oder Kunststoff , Pflanzen für Trockenstandorte wie z.B.Sanddorn und andere Heckengehölze)

Dia Nr.48

Burgers Bush: Auch hier tropischer Charakter durch geschlossene Kronendecke

Dia Nr.53

Völliger Sichtschutz mit Bambus (Immergün Stichwort : Raumbildung , Was verbirgt sich hinter der Wegbiegung ? ) , Bambusblüte

Häufig kommt es vor , das die tatsächlich entstandenen Baukosten bei der Errichtung eines Tiergeheges höher ausfallen als ursprünglich angenommen . Oft wird der Versuch gemacht die entstandenen Mehrkosten durch Einsparungen bei der Bepflanzung wieder zu kompensieren . Die Ergebnisse sind meistens unbefriedigend.

Das soll jedoch nicht heißen , das für eine geeignete Bepflanzung generell hohe Investitionen aufgewendet werden müssen . Für Randbereiche aber auch für Pflanzflächen die bei geringstem Pflegeaufwand naturnah gestaltet werden sollen , bietet sich eine Bepflanzung unter anderem mit einheimischen Pflanzen an . Bei den typischen Heckenpflanzen und verschiedenen Gräsern , die sich in entsprechender Zusammensetzung für die Darstellung verschiedenster Lebensräume eignen (Afrika , Steppe , Küste und andere , sind Pflegeaufwand und Investitionskosten minimal . Nach dem Anwachsen der Pflanzen kann man gießen , düngen und Schädlingsvernichtungsmittel getrost vergessen . In der freien Landschaft werden Heckengehölze , wenn überhaupt , nur alle 10 Jahre geschnitten .

Aber , um das Thema Schädlingsvernichtungsmittel kurz zu streifen …

Auch bei der Bestückung Ihrer Tropenhäuser und Vitrinen mit Pflanzen sollten Sie sicher

sein , daß zur Schädlingsbekämpfung nur unbedenkliche Mittel oder noch besser Nützlinge eingesetzt werden . Denken Sie dabei an Citrus – Pflanzen die für Schmetterlingshäuser als Futterpflanzen eingesetzt werden .

Auf jeden Fall ist es aber zu Ihrem Vorteil möglichst frühzeitig über das zur Verfügung stehende Budget zu sprechen . Das richtige Angebot zum passenden Geldbeutel ist besser als eine Ideallösung für die hinterher kein Geld da ist . Das bedeutet für Sie eine Zusammenarbeit mit Architekten und Pflanzenlieferanten die die Bedürfnisse zoologischer Einrichtungen

kennen .

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